Diagnose: “sozialer Jetlag”

“Kann denn nicht alles ein bisschen später anfangen…?” und “Muss denn in mitteleuropäischen Ländern der Tag schon immer so früh beginnen…?”. Dies sind Fragen, die ich mir beinahe jeden Morgen stelle.

Zeit

Tagtäglich quäle ich mich aus dem Bett, schleppe mich ins Bad und hoffe, während des Duschens nicht wieder einzuschlafen. Doch warum gibt es so viele Menschen, die damit kein Problem haben und die sich morgens so richtig fit und munter fühlen? Und was stimmt mit mir nicht, dass ich nicht so bin? Jahrelang habe ich gerätselt, woran es liegen könnte, dass ich erst gegen Mittag wach bin und mein Tag erst so richtig mit Einbruch der Dunkelheit beginnt. Nie war mir klar, wie es alle anderen schaffen, morgens aus dem Bett zu kommen und dann auch noch produktiv zu sein.

Doch nun habe ich eine Antwort! Eine Artikel mit der Überschrift “Leben nach der inneren Uhr” hat meine Aufmerksamkeit erweckt und hat mir endlich Erklärungen geliefert. Eine Studie macht es nun endlich deutlich. Es gibt Menschen, die tagsüber aktiv sind und nachts das Bedürfnis haben, sich auszuruhen und zu schlafen. Diese Menschen werden auch “Lerchen” genannt, weil ihr Tagesrhythmus denen der Vögel sehr ähnlich ist. Die “Eulen” hingegen kommen morgens nur schwer aus dem Bett und werden erst gegen späterer Stunde richtig wach.

Die Wissenschaft, die sich mit diesem Thema befasst, nennt sich Chronobiologie. Diese Forschungsrichtung hat sich in den letzten Jahren stark ausgeweitet und viele neue Erkenntnisse dazugewonnen. Erst seit kurzem ist bekannt, dass es solch unterschiedliche Chronotypen gibt und die Verteilung in der Bevölkerung durch Hauttests bestimmt werden kann.

Der Unterschied liegt in den Genen und die Typzugehörigkeit ist somit angeboren. Ein Morgenmensch kann also nicht zum Nacht-Aktiven werden und der Langschläfer wird nie ein Frühaufsteher werden. Diese Erkenntnis tröstet vielleicht insofern, als dass man wenigstens das Gefühl hat, nicht selbst daran schuld zu sein, ein “Morgenmuffel” oder “Frühschläfer” zu sein.

Ob man nun zu den Lerchen oder den Eulen gehört, hängt ganz von der “Programmierung” des Hypothalamus ab. Hier sitzt die innere Uhr, die den Takt vorgibt und somit den Wach-Schlaf-Rhythmus bestimmt. Die meisten Menschen sind allerding Mischtypen und nur ca. 1/4 der Bevölkerung weisen sehr stark ausgeprägte Merkmale auf.

Was meinen Fall betrifft, gehöre ich ganz offensichtlich zu jenen Menschen der zweiten Gruppe. Ich bin keine Lerche, die es schon frühmorgens aus dem Bett treibt. Für mich ist der Vormittag quasi noch Mitternacht und erst spätabends fühle ich mich wirklich fit und munter. Dass der Großteil der Bevölkerung aber anscheinend das genaue Gegenteil von mir ist, macht mir allerdings sehr zu schaffen. Termine und Verabredungen, die schon vormittags stattfinden, können für mich zu einer Qual werden und mir den Tag ordentlich vermiesen. Chronobiologen nennen dieses Phänomen “sozialer Jetlag”. Das soziale Leben findet nun mal tagsüber statt und bedeutet für Eulen einen permantenten Kampf gegen Müdigkeit und Schlafmangel. Zeit Online

Dies deutet bereits darauf hin, dass extreme Chronotypen auch auf Dauer mit gesundheitlichen Leiden rechnen müssen. Wer gegen die innere Uhr lebt, kann auf Dauer seiner Gesundheit schaden. Eulen sollten sich dehalb immer wieder Pausen gönnen, an denen sie ihr Schafdefizit ausgleichen können. Für sie ist es wichtig, sich vor allem am Wochenende ausschalfen zu können und es nach ihrem Rhythmus zu leben. Auch Lerchen sollten auf ihren Chronotyp achten und wenn möglich, nicht jeden Tag bis in die Morgenstunden auf der Hut zu sein. Auch sie könnten aud Dauer unter einem Schalfmangel leiden, da sie ja dennoch zur gewohnt frühen Zeit aufwachen, unabhängig davon, wann sie zu Bett gegangen sind. Spiegel Online

Abschließend kann man nur jedem und jeder raten, sich immer wieder auf ihren oder seinen Chronotyp rüchzubesinnen und ganz in dessen Sinn zu leben. Denn jeder von uns weiß auch ohne medizinischen Hauttest, zu welchem Chronotyp er tendiert und was ihm guttut.

Eule

Laktoseintoleranz - Was ist das?

Milch

Seit zwei Jahren leide ich an einer sehr ausgerpägten Form von Laktose-Intoleranz und bereits kleinste Mengen können mich für mehrere Tage mit schrecklichen Magenschmerzen quälen. Aus diesem Grund bin gezwungen, eine strenge milchfreie Diät einzuhalten und die Zutatenliste sämtlicher Lebensmittel genau zu checken. Man vermutet gar nicht, in welchen Lebensmittel sich Laktose verstecken kann. Beispielsweise können Senf, Ketchup, Wurst, sämtliche Fertigsaucen und -produkte und teilweise auch Salzlaken, in denen Essiggurkerl und anderes saures Gemüse eingelegt werden, den für laktoseintolerante Menschen gefährlichen Milchzucker enthalten. Auch bei Medikamenten und Nahrungsergänzungsmittel empfiehlt es sich auf die Liste der Inhaltsstoffe zu achten. Der Großteil von ihnen enthält Laktose als Trägerstoff, was bei empfindlichen Personen durchaus zu Reaktionen führen kann. Man kann also nun ganz gut erkennen, wie schwierig es ist, laktosehaltige Lebensmittel zu entlarven, um diese dann in der Folge zu meiden. Folgende Lebensmittel sollten auf alle Fälle gemieden werden, da sie jedenfalls laktosehaltig sind:

  • alle Arten von Milch und Milchprodukten (Butter, Sahne, Sauerrahm, Joghurt, Molke,…)
  • manche Brotsorten und Backwaren (Croissants, Muffins,…)
  • Weichkäse (Hartkäse ist bereits gereift und enthält daher nur noch Spuren von Laktose)
  • Süßigkeiten (Schokolade, Kekse, Kuchen, Mehlspeisen, Eiscreme,…)
  • Fertigsaucen
  • Fertiggerichte (Pizza, Kartoffelpuffer, Koketten, Pommes Frites, Würstchen,…)

Liste laktosehaltiger Lebensmittel

Natürlich gibt es aber auch noch eine Reihe von Lebensmittel, die laktoseintolerante Menschen problemlos verzehren können und die nicht die gefürchteten Symptome auslösen können. Folgende Lebensmittel sind (meistens) laktosefrei:

  • Brot
  • Nudeln, Reis (und alle Arten von Getreide), Kartoffeln
  • alle Arten von Gemüse
  • alle Obstsorten
  • alle laktosefreien Produkte
  • Fisch und Meeresfrüchte
  • Fleisch und Geflügel
  • Eier, Hartkäse, Tofu

Es empfiehlt es sich aber dennoch, die Zutantenliste genau durchzulesen, da sich immer einige Ausnahmen darunter befinden können.

Web 2.0, Öffentlichkeit und Demokratie

Die Entwicklung der sogenannten neuen Medien, insbesondere des Web 2.0, beflügelt erneut die demokratischen Phantasien vieler Menschen. Die bisher vorgestellten Paradigmen interpretieren diese neuen Medien unterschiedlich.

Während das liberale Paradigma darin vor allem eine weitere Plattform für Informationen sieht, ist aus der deliberativen Warte das Web 2.0 eine ideale technische Idee, um Diskussionen ortsunabhängig und inklusiv zu gestalten. Zivilgesellschaftliche Akteure haben es hier leichter, sich zu äußern. Das partizipatorische Paradigma findet hier nun all das technisch realisiert, was Benjamin sich von den zu seiner Zeit neuen Medien erwartet hat: Eine völlig freie Plattform, auf der alle die gleichen Zugangschancen und Möglichkeiten haben, ihre Standpunkte in den öffentlichen Diskurs zu befördern. Zumindest theoretisch. Aber, wie steht es denn eigentlich wirklich um die partizipativen Möglichkeiten des Web 2.0?

Web 2.0, Öffentlichkeit und Demokratie - optimistische Variante

Die Revolutionen in Nordafrika, die Aufstände in Iran und China werden in den Medien oder sollte man besser sagen: in der Öffentlichkeit - gefeiert als das Ergebnis neuer Öffentlichkeiten im Internet, gesteuert und befeuert durch Facebook und Twitter, Email, Smartphones etc. Diese Ereignisse sollen - quasi pars pro toto - zeigen, dass das 21. Jh. aufgrund der technisch-medialen Revolution keine Autokratien mehr duldet, Demokratie und Menschenrechte setzen sich überall durch.

Web 2.0, Öffentlichkeit und Demokratie - realistische Variante

Wie üblich bleiben solch optimistische Betrachtungen nicht lange ohne störende Relativierungen. Da diese meist interessanter und aus politiktheoretischer Perspektive deutlich interessanter sind als die optimistischen Betrachtungen, werde ich im Folgenden versuchen zu zeigen, inwiefern eine kritische Betrachtung des Web 2.0 für das Verständnis des Verhältnisses und der Bewertung von Öffentlichkeit und Demokratie im Netz wichtig ist.

Evgeny Morozov gibt in seinem Buch The Net Delusion. How not to liberate the World zu bedenken, dass die neuen Medien ebenso große Unterdrückungspotentiale haben wie solche der Emanzipation[11] Walter Benjamins Dreierschema der Indienstnahme von Medien und der Unschuld der medialen Technik scheint hier durch. So macht Morozov darauf aufmerksam, dass das Internet und seine neuen Möglichkeiten nicht nur Bürgerrechtler, Netzaktivisten und sonstige Revolutionäre ermächtigt, sondern eben auch die Geheimpolizei, die Zensoren und die Propagandamaschinerien moderner autoritärer Regime. Und er ist der Ansicht, dass, zumindest im Moment, die autoritären Regime die Oberhand haben.

Die sogenannten Internetrevolutionen hätten auch nicht im Internet stattgefunden. Sicher, es gab Facebookseiten zur iranischen und tunesischen Revolution und getwittert wurde auch. Doch im Nachhinein stellte sich heraus, dass die Verbreitung von Internetzugängen, Smartphones etc. in den betroffenen Ländern nicht ausreichte, um die Proteste effektiv anzuleiten und zu dirigieren.

Was der Westen in den Medien gefeiert hat, war eine vor allem von Exilanten getragene mediale Begleitmusik der eigentlichen Revolutionen. Diese wurde in den betroffenen Ländern vielleicht wahrgenommen, hatte aber nicht wirklich die Bedeutung, die ihr im Westen beigemessen wurde. Vielmehr habe das Kaffeehaus und die Mund-zu-Mund-Propaganda, die SMS und das altmodische Telefonat die Revolutionen effektiv und schnell verbreitet und am Leben gehalten.

Was die neuen Medien demzufolge geleistet haben, war die Schaffung einer großen transnationalen Öffentlichkeit, die die Sache der Oppositionellen und der Exilanten ungleich stärker machte - mit gravierenden Folgen für die nationale Öffentlichkeit und den nationalen Diskurs.

Fehlender politiktheoretischer Medienbegriff

Neben solchen unklaren Öffentlichkeitsverhältnissen ist ein weiteres Problem ein fehlender Medienbegriff, der uns dazu befähigt, analytisch sauber mit den neuen Medien und ihren Folgen umzugehen. Das Web 2.0, soweit stimmen alle (natürlich nicht alle!) zu, ist ein Konglomerat aus allen “alten” Medien, die gleichzeitig verwendet werden können. Darüber hinaus lässt es reziproke Kommunikation zu, es ist ein Pull-Medium und immer, überall verfügbar. Die Autorenschaft ist oft verschleiert, so dass Kommunikation nicht mehr eindeutig zurechenbar ist.

Damit aber fehlen Anhaltspunkte über politische Absichten und Haltungen. Man hat kein Koordinatensystem der Einordnung und Bewertung mehr. Zudem führen die neuen Filtertechniken bei Google, Facebook usw. dazu, dass für den einzelnen Nutzer die Informations- und Meinungsvielfalt des Internets mehr und mehr verschwindet, so zumindest Eli Pariser in seinem neuen Buch The Filter Bubble. What the Internet is Hiding from You[12].

Der heutige Nutzer des Web 2.0 spiegelt sich durch die aus wirtschaftlichem Interesse betriebene Personalisierung immer nur in seinen eigenen Vorlieben und Peers. Unbekanntes, Fremdes, außerhalb der eigenen Lebenswelt Existierendes bekommt der Nutzer nicht mehr zu sehen, weder bei Google, noch bei Facebook. Folglich kann man der webbasierten Kommunikation und der aus ihr resultierenden Öffentlichkeit nicht mehr den gleichen Status einräumen wie zuvor. Die Öffentlichkeit wird durch das Web 2.0 ubiquitär, ephemer, opak, privat und ortlos. Dies hat Konsequenzen für ihre legitimatorische Kraft und ihr Verhältnis zur Demokratie.

Eine neue Pathologie des Symbolbewusstseins?

Es steht zu befürchten, dass das Informationsangebot im Internet, um mit Cassirer zu sprechen, zu einer sich langsam entwickelnden Pathologie des Symbolbewusstseins führt. Die Pluralität des menschlichen Miteinanders wird gerade dort ausgeblendet, wo die Ideologie lautet, dass es freier und pluraler gar nicht mehr zugehen kann: im Web 2.0.

Diese Pathologie hätte zur Folge, dass die Welt in ein Mosaik unsolidarischer, nichts voneinander wissender Interessengruppen zerfällt, die natürlich auch keine politische Öffentlichkeit im Sinne einer Gemeinwesen begründenden Öffentlichkeit bilden können. Der Monomythos der Zukunft könnte daher “umfassende Informiertheit durch das Internet” heißen.

Waren die Medien für Kant tatsächlich noch sinnvolle und positive “Extensions of Man”, so ist das bei Cassirer, Benjamin und Habermas nur der Fall, wenn die Medien tatsächlich zu einem einigermaßen unbehinderten Einsatz gelangen können. Die “Extension of Man”, die durch das Web 2.0 der Idee nach weiter forciert wird, wird durch die Phänomene der Selbstspiegelung durch Filterinstrumente in ihr Gegenteil verkehrt. Für das Web 2.0 gilt also in gleichem Maße Benjamins Modell der Indienstnahme, die den Wert des Mediums für eine offene Gesellschaft bemessen lässt.

Politische Forderung

Die politische Forderung muss daher im Sinne der Demokratie und Öffentlichkeit lauten, dass alle Filtermechanismen öffentlich gemacht werden müssen und jederzeit die Option für alle Internetnutzer besteht, diese Filter für sich zu deaktivieren, um so eine demokratische Auseinandersetzung mit dem Medium des Web 2.0 tatsächlich zu ermöglichen und um zu verhindern, dass das Internet ausschließlich zu einem riesigen Einkaufszentrum inklusive ideologischer Indoktrinationsanstalten verkommt.

Quelle: http://www.heise.de/tp/artikel/35/35283/5.html

Überlegungen zum demokratischen Potential des Web 2.0

Medien verändern Öffentlichkeit und Demokratie

Öffentlichkeit und Demokratie stehen aus der Sicht der Politik- und Kommunikationswissenschaft in einem direkten Zusammenhang.[1] Das Internet im Allgemeinen, und seit einigen Jahren nun das Web 2.0 im Besonderen, wird von vielen als eine Art Demokratisierungsmaschine betrachtet, gerade weil es Öffentlichkeit herstellt und weil die Verknüpfung von Öffentlichkeit mit Demokratie nicht nur in der Wissenschaft, sondern auch in der außerwissenschaftlichen Öffentlichkeit gängig ist.

Da es schon häufiger zu Revolutionen in der medialen Welt kam und auch einige Skeptiker den Nexus von Öffentlichkeit, Demokratie und Internet in Frage stellen, sollen hier diesbezüglich zwei zentrale Fragen gestellt und beantwortet werden. Die erste ist die, ob das Phänomen der Medialisierung, das den Zusammenhang von Öffentlichkeit, Demokratie und Medien mal positiv mal negativ beschwört, tatsächlich ein neues Phänomen darstellt, oder ob es doch nur ein immer schon dagewesenes Phänomen neu formuliert. Diese Frage sollte sich im Laufe dieses Artikels von alleine klären. Die zweite Frage lautet: Inwiefern wird das Verhältnis von Öffentlichkeit und Demokratie von den Medien beeinflusst? Um dieses Thema zu erörtern, werde ich mit einer ideengeschichtlichen Rückschau beginnen, um dann vor diesem Hintergrund mich mit dem Web 2.0 und dem Zusammenhang von Öffentlichkeit und Demokratie auseinandersetzen.

Quelle: http://www.heise.de/tp/artikel/35/35283/1.html